Pettendorf, 23. Mai 2026 – Der Mayerwirtsaal in Pettendorf wurde am Samstag zur Bühne eines echten Dart-Krimis. Bereits um 17:00 Uhr flogen die ersten Pfeile – ein ungewöhnlich früher Spielbeginn, der sich mit Blick auf das spätere DFB-Pokalfinale aber durchaus erklären ließ. Erst Pfeile, dann Fußball: ein Spielplan mit Freizeitwert.
Zu Gast war mit dem Dartclub Wenzenbach e.V. II der souveräne Tabellenführer der 2. Bezirksliga Nord. Die Ausgangslage für die Flying Eagles war dabei alles andere als komfortabel: Der TSV Adlersberg trat stark ersatzgeschwächt an und erhielt wichtige Unterstützung durch Spieler aus der 2. Mannschaft. Umso bemerkenswerter war, was sich anschließend entwickelte: ein intensives, hochspannendes Duell auf Augenhöhe, das erst ganz spät zugunsten der Gäste kippte.
Am Ende stand ein denkbar knappes 7:8 aus Adlersberger Sicht – bei einer Legbilanz von 30:31. Viel enger kann ein Mannschaftsspiel kaum verloren gehen.
„Wir haben extra früher angefangen, damit alle rechtzeitig zum Pokalfinale kommen“, erklärte Abteilungsleiter Michl Bayer augenzwinkernd. „Dass wir vorher selbst fast eins gespielt hätten, war so nicht geplant.“
Starker Beginn trotz schwieriger Vorzeichen
Schon die ersten Einzel zeigten: Die Flying Eagles waren trotz personeller Engpässe sofort im Wettkampfmodus.
Kilian Dinnes lieferte sich mit Thomas Schneider ein enges Auftaktmatch, musste sich aber knapp mit 2:3 geschlagen geben. Auch Ulrich Schiller unterlag Alexander Schmid denkbar knapp mit 2:3. Zwei Spiele, zwei Entscheidungssätze – Adlersberg war dran, nur die Punkte gingen zunächst an Wenzenbach.
Dann setzte Julian Nickl das erste große Ausrufezeichen des Abends. Gegen den aktuellen Spitzenmann der Liga zeigte er eine abgeklärte Leistung und gewann mit 3:2. Dieser Erfolg brachte nicht nur den ersten Punkt für den TSV, sondern auch spürbar Energie in den Mayerwirtsaal.
Nach einer 1:3-Niederlage von Korbinian Brunner gegen Thomas Winkeler sorgten Tobias Ebner und Matthias Scheuerer für den Ausgleich. Ebner gewann gegen Martin Schmalzl mit 3:1, Scheuerer setzte sich ebenfalls mit 3:1 gegen Dominik Schäck durch.
Nach dem ersten Einzelblock stand es somit 3:3 – gegen den Tabellenführer und unter diesen Voraussetzungen ein starkes Zwischenergebnis.
„Wenn du ersatzgeschwächt gegen den Ersten spielst und nach sechs Einzeln 3:3 dastehst, dann darfst du schon mal kurz zufrieden schauen“, sagte Bayer. „Aber wirklich nur kurz – wer beim Dart zu lange zufrieden schaut, trifft danach meistens nur die große Eins.“
Doppelphase: Wenzenbach geht knapp in Führung
In den Doppeln zeigte sich anschließend die Routine der Gäste. Matthias Scheuerer/Korbinian Brunner kämpf
ten gegen Alexander Schmid/Dominik Schäck bis in den Entscheidungssatz, mussten sich aber knapp mit 2:3 geschlagen geben.
Auch Ulrich Schiller/Tobias Ebner fanden gegen Thomas Winkeler/Thomas Schneider nicht richtig in die Partie und verloren mit 0:3. Damit drohte Wenzenbach erstmals etwas davonzuziehen.
Wichtig war daher der Auftritt von Kilian Dinnes/Julian Nickl. Das Adlersberger Duo gewann gegen Lück/Schmalzl mit 3:1 und hielt die Flying Eagles damit voll im Spiel. Zur Halbzeit lag der TSV nur knapp mit 4:5 zurück.
„Die Doppel waren wie ein guter Krimi“, meinte Bayer. „Nur leider hat der Autor bei zwei Kapiteln vergessen, dass wir die Hauptrolle spielen.“
Brunner und Nickl schlagen die Nummer 1 der Liga
Der zweite Einzelblock begann zunächst schwierig. Kilian Dinnes unterlag Alexander Schmid mit 1:3, anschließend musste sich Ulrich Schiller Thomas Schneider mit 0:3 geschlagen geben. Wenzenbach erhöhte dadurch auf 7:4 und schien bereits auf Kurs Auswärtssieg.
Doch die Flying Eagles meldeten sich eindrucksvoll zurück.
Julian Nickl bestätigte seine starke Tagesform und bezwang Thomas Winkeler klar mit 3:0. Kurz darauf folgte einer der emotionalen Höhepunkte des gesamten Spieltags: Korbinian Brunner gewann sein zweites Einzel mit 3:2 gegen den Daniel Lück.
Damit hatten an diesem Abend gleich zwei Adlersberger Spieler – Julian Nickl und Korbinian Brunner – die aktuelle Nummer 1 der Bezirksliga Nord geschlagen. Für Brunner hatte dieser Erfolg zudem eine ganz besondere Note.
Schon im vergangenen Jahr hatte er eine entscheidende Rolle in der TSV-Geschichte gespielt: Mit einem Wurf auf das berüchtigte Madhouse, also Doppel 1, machte er damals den Aufstieg der Mannschaft perfekt. Und auch dieses Mal wurde die Doppel 1 wieder zu seinem persönlichen Schauplatz. Alle drei Legs, die Brunner gegen den Ligaprimus gewann, checkte er über Doppel 1.
Das war sportlich bemerkenswert – und dramaturgisch fast schon zu passend, um erfunden zu sein.
„Korbinian und Doppel 1 – das ist langsam keine Zweckgemeinschaft mehr, das ist eine Beziehung“, sagte Bayer lachend. „Andere vermeiden das Madhouse, Korbinian richtet sich dort offenbar häuslich ein.“
Matthias Scheuerer holte mit einem souveränen 3:0 gegen Martin Schmalzl den siebten Punkt für Adlersberg, ehe sich Tobias Ebner sich in seinem zweiten Einzel Dominik Schäck mit 1:3 geschlagen geben musste.
Damit gewann Wenzenbachv hauchdünn mit 8:7.
Nickl mit 180er – Scheuerer doppelt erfolgreich
Auch bei den Bestleistungen setzte der TSV ein Highlight. Julian Nickl warf eine 180er-Aufnahme und krönte damit seine starke Gesamtleistung. Mit zwei Einzelsiegen, einem Doppelerfolg und der Maximum-Aufnahme gehörte er zu den prägenden Spielern des Abends.
Ebenfalls überzeugend präsentierte sich Matthias Scheuerer, der beide Einzel gewann und damit zwei wichtige Punkte für die Flying Eagles beisteuerte. Tobias Ebner holte einen wichtigen Einzelsieg im ersten Block, während Korbinian Brunner mit seinem Erfolg im zweiten Einzel für einen der größten Momente des Spiels sorgte.
Dass diese Leistung gegen den Tabellenführer unter erschwerten Bedingungen zustande kam, macht den Auftritt besonders wertvoll. Die Unterstützung aus der 2. Mannschaft fügte sich nahtlos ein und zeigte, dass der TSV Adlersberg auch in der Breite konkurrenzfähig ist.
Knappe Niederlage, starke Botschaft
Natürlich bleibt ein 7:8 am Ende eine Niederlage. Doch diese Partie fühlte sich über weite Strecken nach deutlich mehr an. Die Flying Eagles zeigten im Mayerwirtsaal in Pettendorf Kampfgeist, Qualität und Teamzusammenhalt. Gegen den Spitzenreiter fehlte letztlich nur ein einziges Spiel – und in den Legs sogar nur ein einziger Zähler.
Der Dartclub Wenzenbach II festigte mit dem Auswärtssieg seine Tabellenführung. Der TSV Adlersberg bleibt nach 15 Spielen mit 14:16 Punkten im Tabellenmittelfeld, kann aus dieser Partie aber viel Positives mitnehmen.
„Verlieren ist nie schön“, fasste Bayer zusammen. „Aber wenn du dem Tabellenführer mit einer ersatzgeschwächten Truppe so auf die Zehen steigst, dann darfst du danach schon mit erhobenem Kopf zum Pokalfinale übergehen.“
Am kommenden Spieltag wartet auf die Flying Eagles das Auswärtsspiel beim 1. Steel-Dart-Verein Amberg IV. Nach dieser Leistung dürfte klar sein: Auch wenn der Kader nicht vollständig ist, sind die Adlersberger jederzeit in der Lage, jedem Gegner der Liga das Leben schwer zu machen.